Seeuferpromenade „Lange Kante“ am Flugfeld Böblingen-Sindelfingen

Urbanes Flanieren am Seeufer

Als eines der größten Stadtentwicklungsgebiete in Süddeutschland wird das Areal des ehemaligen Flugfeldes Böblingen-Sindelfingen von den Städten Böblingen und Sindelfingen gemeinsam entwickelt. Ein neues lebendiges durchmischtes Stadtviertel soll hier entstehen.
In zentraler Lage des neuen Quartiers erstreckt sich ein linear ausgedehnter, künstlich angelegter See in Ost-West-Richtung. An der Nordseite des „Langen Sees“ entsteht ein neues Quartier mit Seeuferpromenade, Büros, Gastronomie und 180 Wohnungen.

Entlang des Sees bildet die Promenade das urbane Pendant zum gegenüberliegenden grünen, durch einen Park mit weiten Wiesenflächen und Baumpflanzungen geprägten, Ufer. Die Plätze und Durchgänge zwischen den Baufeldern stellen in unserem Entwurf den Taktgeber für den sonst linearen Raum dar. Sie bringen Abwechslung in die lange Promenadenkante, gezielte Baumsetzungen gliedern den Raum.

Die Gestaltung von Promenade und Plätzen differenziert zwischen dem Gehbereich, der Uferkante mit Geländer und Spundwandkrone und dem direkt an den Gebäuden anliegenden Vorzonen der Gastronomie und Büroflächen. Uferkante und Vorzone bilden durch ein großzügiges Plattenformat den Rahmen für den dazwischen liegenden Gehbereich, der sich wie ein Teppich entlang des langen Sees entrollt. Hier kann in Ruhe flaniert werden, während an den jeweiligen Schnittstellen zum See und zum Gebäude Platz für kurze Pausen oder längere Aufenthalt ist. Dort, wo Promenade und Platz, bzw. Durchgang aufeinandertreffen, öffnet sich die Promenade beabsichtigt zum Langen See und dem grünen Ufer auf der anderen Seite.

Flexibles Mobiliar

Die Gliederung durch Vorzonen und Gehbereiche reagiert auf die unterschiedlichen Ausprägungen der Architektur. Der für jedes Gebäude ausgebildete Bereich der Vorzone lässt eine Vielzahl an Bestuhlungsmöglichkeiten zu. Ob Gastronomie, Eingangsbereiche oder Büroflächen – die Aneignung dieser Zone entwickelt sich aus den jeweiligen Nutzungen im Gebäude. Die Platzierung von Sitzmöglichkeiten oder Bepflanzung ist flexibel. Für den gesamten Außenbereich entwickeln wir ein einheitliches Mobiliar, das trotz anpassungsfähiger Positionierung ein stimmiges Gesamtbild entstehen lässt.

Drei Plätze

Der Gebrüder-Wright-Platz ist der repräsentative Auftakt der Promenade und bietet durch seine Großzügigkeit und die bereits vorhandene Stufenanlage, genug Raum für Aufenthalt und Spiel. Der Entwurf unterscheidet zwischen Aufenthaltsbereichen und Durchgängen und leitet so geschickt Besucher und Passanten über den Platz. Besonderheit ist die zentral gelegene, niedrige Spielskulptur des Doppeldeckers, die als Reminiszenz auf die ehemaligen Nutzungen und die namensgebenden Gebrüder Wright zu verstehen ist. In direkter Nachbarschaft bietet ein großzügiges Holzdeck Eltern die Möglichkeit ihren Kindern beim Spielen zuzuschauen.

Als wichtiger Verbindungsraum ist der Brückenplatz attraktiv für Gastronomie jeglicher Art. Er ist Treffpunkt und Transitraum gleichermaßen. Mit der sich anschmiegenden Harfenbrücke und den neuen Seestufen bietet er besondere Situationen und Beziehungen zum Wasser. Bespielt durch die umliegende Gastronomie bildet er in seinem Zentrum einen Treffpunkt mit langer Tafel und Sitzmöglichkeiten. Die lange Tafel liegt unmittelbar auf der Gemarkungsgrenze von Sindelfingen und Böblingen. Hier können sich Menschen treffen, gemeinsam ihre Mittagspause genießen und sich unterhalten. Die Gastronomie profitiert von den zahlreichen auf dem Platz liegenden Sitzmöglichkeiten und spricht verstärkt auch Kundschaft an, die sich nur kurz auf dem Platz aufhalten will oder auf dem Durchweg ist.

Als östlicher Abschluss der Promenade bildet der Ostplatz ein Kleinod für Ruhe Suchende. Durch dichtere Baumsetzungen und Vegetation stellt er einen grünen und introvertierten Abschluss dar. Im Schutz des Schatten spendenden Blätterdachs lässt es sich ausruhen oder ein Buch lesen. Topografisch grenzt sich der Ostplatz bewusst zu dem anliegenden Verkehrsknotenpunkt ab.

Materialität

Die Sockelbereiche erhalten einen Belag aus großformatigen hellen Betonplatten mit Besenstrichoberfläche. Die Uferkante samt Spundwandkrone wird ebenfalls durch großformatigen hellen Beton ausgebildet. Dazwischen liegen die Gehbereiche und Platzflächen, die ein Pflaster aus kleinformatigen Betonsteinen in Natursteinoptik erhalten. Diese changieren in grau und beige und bilden einen fein strukturierten Teppich ab.
Entlang der Uferkante schlagen wir direkt vor den Gebäuden ein Absturzsicherung samt Handlauf aus Holz vor, der an den schmalen Bereichen einen sicheren Aufenthalt an der Uferkante ermöglicht. An den Platzflächen und Durchgängen verzichtet der Entwurf auf eine Absturzsicherung. Stattdessen bilden wir eine sogenannte Spundwandkrone aus Beton mit einer Höhe von 20 cm als Anprallschutz aus. Besondere Flächen wie die Spielbereiche heben sich durch einen homogenen, gefärbten Possehl-Belag ab.

Beleuchtungskonzept

Das Beleuchtungskonzept greift die Idee des Urbanen Ufers im Gegenüber des grünen Ufers auf und unterstreicht dies auch bei Dunkelheit. Für die anzustrebenden Raumerscheinungsbilder entwickelte das Team von BARTENBACH – The Lighting Innovators für die einzelnen Bereiche Vorschläge zur Lichtlösung, die sowohl auf wahrnehmungspsychologischen Erkenntnissen gründen, und gleichzeitig Natur- und Umweltschutz berücksichtigen. Die Entwurfsidee differenziert zwischen den verschiedenen Aufenthaltsbereichen wie Gehweg, Uferkante, Promenade und Plätzen mit Spielbereichen und fordert bestimmte Kriterien von der Beleuchtungslösung. Daher wird in der Konzeption mit unterschiedlichen Helligkeiten und Strahlungsgeometrien für die verschiedenen Nutzungsbereiche reagiert.

Blendungsreduzierung, ausreichende Intensitäten, gute Farbwiedergabeeigenschaften des Lichtes, behagliche Lichtfarbe und visuelle Führung durch die Lichtinszenierung sind dabei u.a. von Bedeutung. Ziel der Lichtplanung ist es, die zentralen Bereiche des urbanen Ufers auch während der Abend- und Nachtstunden zu behaglichen Orten mit hoher Aufenthaltsqualität zu machen und gleichzeitig die visuelle Verbindung zu den Plätzen und Durchgängen zu erhalten.
Die Plätze sind hierbei am hellsten beleuchtet und weisen den Weg zur Promenade. Die gastronomisch genutzten Bereiche sowie die ufernahen Sitzbereiche erfahren eine eher atmosphärische Inszenierung und laden zum Verweilen ein.

Ein Highlight ist die Zonierung der Plätze durch eine geschickte Positionierung der Leuchten. So, wie die Sonne am Tag durch das Blattwerk der Baumkronen fällt und ein spielerisches Licht- und Schattenspiel erzeugt, so sind die großen Mastleuchten teilweise in der Nähe der Bäume positioniert und ihre enger strahlenden Leuchtenköpfe erzeugen das gleiche Bild bei Dunkelheit. Mittlere und kleinere Mastleuchten betonen die Achsen zu den Plätzen und illuminieren dezent das Ufer. Integrierte Lichtlösungen wie unterleuchtete Sitzbänke und Ufertreppen, sowie ein lineares Licht entlang der 20cm hohe Betonkante am Wasser schaffen eine gedimmte, angenehme Atmosphäre. Sie sorgen dafür, dass die Grenze des Gehwegs auch bei Dunkelheit sicher erkennbar bleiben, ohne jedoch zu blenden oder die Promenade und die Architektur der Gebäude zu stören.

Grundgedanke der Lichtlösung ist die Begrenzung des Lichts auf Bereich der Promenade. In Richtung des Sees und des gegenüberliegenden Ufers sollten größere Leuchtdichten vermieden werden, um Tiere nicht zu stören und nicht unnötig Insekten anzulocken. Lichttechnik mit Linsenoptik, Reflektoren oder Hypridsystemen kommen für eine blendungsfreie Ausleuchtung aller Bereiche zum Einsatz. Aufgrund der eingesetzten Lichttechnik ist die Lichtimmission bestmöglich begrenzt.
Eine Intelligenten Lichtsteuerung steuert die eingesetzten Leuchten automatisch – je nach Tageszeit folgt das Kunstlicht dem natürlichen Verlauf der Sonne. Ausgestattet mit Smart-City-Komponenten erkennen die Leuchten, wie belebt die Bereiche sind und können das Licht entsprechend anpassen.

STANDORT
Böblingen
BAUHERR
Zweckverband Flugfeld
PROJEKTPARTNER
BARTENBACH – The Lighting Innovators
GESAMTBAUKOSTEN
BAUSUMME FREIANLAGE
PLANUNGS- UND BAUZEIT
2022 –
WETTBEWERB
Zuschlag nach Überarbeitung 2022
2. Preis Nichtoffener Wettbewerb 2021

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