Projekt-Details

Wuppertal ist eine Stadt mit reichhaltigem Kunst- und Kulturangebot und historisch durch die Bedeutung der Textilindustrie geprägt. Der Werth soll durch die Neugestaltung als vielfältige Lebensader des Stadtteils gestärkt werden und dabei die Identität Barmens widerspiegeln.

In unserem Gestaltungskonzept interpretieren wir die Barmer Innenstadt als „Urbanes Theater“, dessen Stadträume in Form von unterschiedlichen „Szenographien“ abwechslungsreich programmiert und bespielt werden können. Der „Alte Markt“ und der „Platz an der Werther Brücke“ bilden dabei die Haupteingänge und „Foyers“. Der „Johannes-Rau-Platz“ und der „Geschwister-Scholl-Platz“ sind als „große und kleine Bühne“ die urbanen Spots für Märkte, Feste und Veranstaltungen. Der Werth bildet als „Laufsteg“ das verbindende, lineare Rückgrat innerhalb dieser spannungsreichen Platzfolge. Die Querstraßen des Werth werden durch die punktuellen „Satelliten“ angebunden, die die „Nebeneingänge“ zur Innenstadt markieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Kulturteppich Barmen“

Unser Entwurf für den Werth verfolgt innerhalb des beschriebenen Konzeptes des „urbanen Theaters“ die Idee, einen charakterstarken „Kulturteppich“ zu „entrollen“, der zukünftig die pulsierende und vielfach bespielbare Lebensader Barmens darstellt. Der urbane Freiraum des Werth wird dabei konsequent als „Stadtbühne“ gestaltet. Die offene und einladende Struktur des „Kulturteppichs“ schafft vielfältige Nutzungsmöglichkeiten: Promenade, Catwalk, Marktmeile, Langer Tisch, Showroom, Ausstellungsparcour, Tanzparkett, Spiel- und Sportband, virtueller Stadtraum und nicht zuletzt der stimmungsvolle „lightwalk“ in den Abendstunden.

Der durch einen Natursteinbelag „gewobene“ Teppich thematisiert die Bedeutung der Textilindustrie und harmoniert in seiner Materialität mit den Fassaden der Gebäude und ist gleichzeitig eigenständig und klar ablesbar. Der Teppich wird begleitet durch Stadtmobiliar, punktuelle Spielangebote und die erhaltenen Bestandsbäume sowie Neupflanzungen. Der „Kulturteppich“ ist durch seine klar definierte, lineare Ausrichtung ein kräftiges und verbindendes Element in Ost-West Richtung. Um den linearen Raum zu gliedern und dem Werth einen abwechslungsreichen Charakter zu verleihen, ist er quer zur Laufrichtung auf unterschiedliche Weise rhythmisiert. Die quer verlegten Pflasterverbände „von Fassade zu Fassade“ sind durch Streifen in verschiedenen Farbnuancen gestaffelt, deren Taktung sich im Bereich der Nebenstraßen konzentriert und dann sukzessive wieder auflöst. Das Ziel der Gliederung und optischen Verkürzung des linearen Straßenraums des Werth wird ebenfalls im Konzept für die Fassaden- bzw. Werbeflächen als auch in der Positionierung des weiteren Stadtmobiliars und der Mastleuchten verfolgt.

Der Kulturteppich definiert den zentralen Bewegungsraum auf dem Werth. Dieser Raum soll frei von Möblierungen sein. Gleichzeitig werden durch den Belag die Bereiche vor den Geschäften gekennzeichnet, die für Außenbestuhlung, Ausstellwaren, Werbetafeln etc. zur Verfügung stehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Platzfolge

Die Anbindung und Verzahnung mit den vorhandenen Platzräumen ist für das Konzept von wesentlicher Bedeutung. Während der Werth vorwiegend den linearen Flanier- und Bewegungsraum ausbildet, sind die Plätze die Orte für Aufenthalt, Verweilen und Spiel.

Als Auftakt im Westen schiebt sich der Kulturteppich am Alten Markt einige Meter in die bestehende Platzfläche hinein und bildet so einen prägnanten Eingang auf dem als „Stadtfoyer“ interpretierten Platz. Der Johannes-Rau-Platz bildet mit dem hochwertigen Rathausgebäude das Herzstück und die „Große Bühne“ innerhalb der Innenstadt Barmens. Die Materialität des neuen Kulturteppichs ist auf den bestehenden Natursteinbelag des Rathauses und des Johannes-Rau-Platzes abgestimmt und harmoniert somit als Einheit. Um dem Platz vor dem Rathaus weitere Aufenthaltsqualität zu verleihen, schlagen wir im Bereich der Bestandsbäume runde Sitzinseln vor, die an das Mobiliar des Kulturteppichs angelehnt sind und somit eine weitere Verbindung herstellen. Das Thema der Sitzinseln im Sinne einer verbindenden Gestaltungsfamilie wird auch auf dem Geschwister-Scholl-Platz verfolgt, der als multifunktionaler Ort für Veranstaltungen die „kleine Bühne“ im Leitkonzept des „Urbanen Theaters“ darstellt. Der von Bäumen bestellte Platzbereich mit Sitzangeboten vor dem Haus der Jugend wird als „greenroom“ ebenso integrierter Teil der übergeordneten Leitidee. Den Osteingang der Innenstadt bildet der Platz an der Werther Brücke im Sinne eines „Wupperfoyers“. Auch hier schiebt sich der Kulturteppich in den Platz hinein und verzahnt sich mit den bestehenden Platzflächen um den Kugelbrunnen. Der Astropfad wird als Intarsie in die Gestaltung des Kulturteppichs integriert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mobiliar und Barrierefreiheit

Für den Werth und die benachbarten Plätze haben wir eine Möblierungsfamilie entwickelt, die auf den bestehenden „IGS-Bänken“ aufbaut. In Zweiergruppen begleiten die Bänke den Kulturteppich. Auf den Plätzen schlagen wir einige Rundbänke vor, die gestalterisch auf die IGS-Bank abgestimmt sind. Die Mastleuchten sowie Abfallbehälter und Fahrradständer sind ebenfalls Teil der Gestaltungsfamilie. Punktuelle Spielangebote auf den Plätzen schaffen Anreize für Kinder und sind mit den dort vorgeschlagenen runden Sitzinseln gruppiert. Die Spielelemente greifen in Form von Spiegeln (Stahlblech) und bespielbaren menschlichen „Silhouetten“ ebenfalls das Thema der lebendigen Bühne auf. Der gesamte Kulturteppich und die Plätze sind barrierefrei zu begehen. Die „Bordüre“ des Kulturteppichs dient als visuelles und taktiles Leitelement mit entsprechender Rauigkeit und kontrastierender Farbe.

Lichtkonzept

Die Grundidee der „wandelbaren Bühne“ wird im Lichtkonzept abwechslungsreich umgesetzt. Projektoren erschaffen durch Lichttexturen, die an textile Stoffmuster erinnern, den „lightwalk“ auf dem Kulturteppich mit seinen wechselnden Szenographien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Je nach Tages- und Jahreszeit kann die Lichtstimmung mit Hilfe eines „Licht-Drehbuchs“ eingestellt werden. Die Gobo-Lichtprojektoren können in ihrer Intensität und Farbigkeit gesteuert werden, sodass je nach Nutzungsanspruch eine intensive Ausleuchtung oder eine gedimmte Atmosphäre entstehen kann. Vom Alltagsszenario beim abendlichen Einkaufen über den Tanzabend, Ausstellungsparcour oder Wintermarkt können die Komponenten der Lichtinstallation variabel kombiniert werden. Die „Masken“ für die projizierten Lichttexturen sind für Events wie z.B. Weihnachtsmarkt oder Winterzauber an der Gobo-Leuchte austauschbar.

Audioinhalte wie Musik oder Geräuschkulissen können bei Bedarf als „Soundscapes“ an den Masten integriert werden, um die jeweiligen Atmosphären und Stimmungen weiter zu unterstützen. Hierbei gilt es, die gewünschten Komponenten vorab im Drehbuch im Sinne einer stimmigen und unaufdringlichen Mischung zu komponieren und gezielt je nach Nutzung, Tages- und Nachtzeit einzusetzen. Die bestehenden, ebenfalls steuerbaren Lichtkugeln lassen sich als „Lichthimmel“ harmonisch in dieses Konzept integrieren. Die besonders wertvollen Gebäude der Innenstadt sollen durch Illumination akzentuiert werden und in ihrer Wirkung auf die Lichtinstallation am Werth abgestimmt werden. Der „lightwalk“ kann mit seinen wechselnden Veranstaltungen und Lichtinstallationen als „lebendige Stadtmeile“ überregionale Anziehungskraft entfalten und die Strahlkraft Barmens und des Geschäftsstandorts Werth nachhaltig stärken.

„Virtuelle Stadtbühne Werth“ – ein „Add-on“

Neben den vorgeschlagenen Maßnahmen ist die „virtuelle Stadtbühne“ eine weitere Szenographie für den Kulturteppich im Sinne eines zusätzlichen Alleinstellungsmerkmals für den Geschäftsstandort Werth. Mit einer entsprechend programmierten App für Mobilgeräte (Smartphones) können mit Hilfe von „Augmented Reality“ virtuelle Inhalte mit der realen Situation auf dem Werth überblendet werden. Hier sind unterschiedlichste Themen denkbar, die virtuell in 3D auf dem Kulturteppich umgesetzt werden könnten: Showroom für die Geschäfte, Kunstinstallationen, Spielapplikationen, Stadtmodelle und vieles mehr. Die Integration einer solchen digitalen und gleichzeitig spielerischen Nutzungsebene im öffentlichen Raum des Werth wäre ein weiterer Magnet für die zukünftigen Besucher der Innenstadt.

Standort
Wuppertal-Barmen


Bauherr
Stadt Wuppertal


Projektpartner
RHA ASSOZIIERTE + LICHT KUNST LICHT AG


Gesamtbaukosten


Bausumme Freianlagen
4 Mio. €


Planungs- und Bauzeit
2018-2021


Wettbewerb
1. PREIS